Bobby Fischer: Pawn Sacrifice

Die Medien schlachteten damals die im Jahre 1972 in Reykjavik ausgetragene Schachweltmeisterschaft zwischen dem US-Amerikaner Robert James “Bobby” Fischer und dem Russen Boris Spassky als “Match des Jahrhunderts” aus. Erst jetzt dramatisiert ein neuer Film diesen Wettkampf. Regie: Edward Zwick.

Ehe es zum eigentlichen Wettkampf in Islands Hauptstadt kommt, vergeht eine gute Filmstunde. Nach kurzem Epilog, einer schwarzweissen TV-Nachrichten-Collage zum Aufeinandertreffen der beiden Schachgenies, springt das Drama zurück in das Jahr 1952. Bobby wächst in ärmlichen Verhältnissen in Brooklyn bei seiner alleinerziehenden Mutter Regina auf. In der Wohnung der Mutter treffen sich Bohemiens und Intellektuelle, beobachtet vom FBI. Die Atmosphäre ist angespannt und politisch aufgeheizt. Vielleicht fusst hier die lebenslange Paranoia Fischers, der sich ständig bespitzelt und – obwohl selbst Jude – als Opfer der “jüdischen Weltverschwörung” fühlt.

Es folgen Kalter Krieg und Vietnam, Studentenunruhen und Watergate… mittendrin Fischer, der sich für nichts ausser für Schach interessiert. Als 15-Jähriger wird er der jüngste Grossmeister der Geschichte, mit 20 gewinnt er die US-Meisterschaften, ohne Remis, ohne eine Partie zu verlieren – das ist bis heute niemandem mehr gelungen. Eine herbe Niederlage fügt ihm Spassky 1966 beim Piatigorsky Cup in Santa Monica zu – Fischer ist so erbost, dass er als Zweiter der Siegerehrung einfach fernbleibt.

Wie nebenbei zeigt der Film das Bild einer Gesellschaft im Umbruch, er erzählt von konträren politischen Welten, die mit Wucht aufeinaderprallen, von zwei “missbrauchten” Galionsfiguren, die in gewisser Weise das “Bauernopfer” des Titels sind. Brillant gibt Tobey Maguire den Exzentriker Fischer, der Psychedelic-Hit “White Rabbit” von Jefferson Airplanes illustriert seinen Geisteszustand. Liev Schreiber ruht als sonnenbebrillter Spassky (fast immer) in sich, spricht den gesamten Film nur russisch und ist letztlich der einzige, der die Genialität seines Widersachers erkennt und diesen sogar zu schätzen weiß.

Regisseur Edward Zwick gelingt das vorzügliche Porträt eines Mannes, den niemand wirklich verstand, der aber heute noch die Menschen fasziniert – ob sie nun Schachspieler sind oder nicht.

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