Die Lewis Chessmen

1831 wurden zahlreiche Schachfiguren in einer unterirdischen Kammer auf der Island of Lewis an der Westküste Schottlands, in der Gemeinde Uig, entdeckt und nach ihrem Fundort als “Lewis Chessmen” benannt. Insgesamt 78 Figuren, die allesamt kunstvoll aus den Stosszähnen eines Walrosses geschnitzt wurden, umfasst der Depotfund. Laut Analysen der Archäologen sollen die Figuren im 12. Jahrhundert als Handelsware eines Kaufmanns nach Schottland gelangt und dort verloren oder aus unbekannten Gründen zurückgelassen worden sein. Die Wissenschaftler nehmen an, dass Figuren in Norwegen, und zwar in der Stadt Trondheim, gefertigt wurden.

Das Besondere an den Figuren ist ihre individuelle Ausführung und ihr Charakter: Es gibt Könige mit langen Haaren und Bärten und solche mit glatt rasiertem Gesicht, Ritter mit unterschiedlichen Kopfbedeckungen und Schilden sowie Fusssoldaten mit einzigartiger Gestik. Aufgrund der unterschiedlichen Gestaltungselemente und Grösse der Spielsteine, die zwischen sieben und zehn Zentimetern variiert, gehen die Archäologen davon aus, dass es sich bei den Figuren um Bestandteile von vier verschiedenen Schachsets handelt, von denen zwei vollständig sind. 67 Figuren befinden sich im British Museum in London.

Mit Ausnahme der Bauern, die Marksteinen ähneln, besitzen alle Spielfiguren menschliche Züge. Die Köpfe sind überdimensioniert gross. Die Könige und Königinnen sitzen auf Thronen, die Springer sind Krieger auf einem Pferd. Kleidung und Waffen sind detailliert dargestellt, die Bischöfe sind mit einem Bischofsstab und einer Bibel ausgestattet. Einige der Türme sind als “Berserker” dargestellt, die mit wildem Blick in ihre Schilde beißen. Wissenschaftler haben solche “Berserker” als die wilden Krieger Odins in der nordischen Götterwelt identifiziert. Interessant ist, dass diese Bezeichnung auch in unserer Sprache Verwendung findet – als Synonym für einen besonders brutalen Menschen. Die meisten Spielfiguren betrachten das Spielgeschehen eher mit einem bestürzten Gesichtsausdruck. Die grössten Spielsteine sind die Bischöfe, die bis zu 10,2 cm hoch sind.

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