Die Schachfiguren von Man Ray

Wir können Man Ray (1890-1976) wahrlich als einen der einflussreichsten Künstler des 20. Jahrhunderts in der Malerei, Plastik und Photographie bezeichnen. Er entwarf zwischen 1916-1920 Schachfiguren und verzichtete dabei auf traditionelle und bildliche Formen der Identifikation. Stattdessen benutzte er die “idealen Formen”, die rein geometrischen Formen von Euklid: Kubus, Kugel, Pyramide und Kegel. Ausserdem machte er ikonische Bezüge: So ist die Pyramide das ägyptische Symbol von königlicher Herrschaft und der Kegel die Form der mittelalterlichen Kopfbedeckung einer Königin. Der Läufer (bishop im Englischen) wird mit der Zubereitung exotischer Liköre und Spirituosen eines Bischofs in Verbindung gebracht und benötigt dafür einen Krug. Man Ray war auch Dadaist und so konnte er es nicht unterlassen, zumindest eine unharmonische, aber dennoch elegante Figur zu schaffen. Die Form des Springers ist die Schnecke einer Violine aus Man Rays Studio. Geometrisch betrachtet, stellt der Springer in Form einer Schnecke die Fibonacci Sequenz dar, welche das spirale Wachstum in natürlichen Formen beschreibt. (Die Fibonacci-Sequenz ist eine unendliche Folge von Zahlen, den Fibonacci-Zahlen, bei der sich die jeweils folgende Zahl durch Addition ihrer beiden vorherigen Zahlen ergibt: 0, 1, 1, 2, 3, 5, 8, 13…).

Seit 2012 vergibt der Man Ray Trust die Lizenz, Nachbildungen der Figuren herzustellen. Sie sind aus Buchenholz gefertigt, ebenso wie das dazu passende Brett. Sie werden von verschiedenen Firmen im Internet angeboten. Ein Preisvergleich lohnt sich sehr!

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