Ein Dreizüger von Emanuel Lasker

In der Schachgeschichte mit all ihren eindrucksvollen Persönlichkeiten ragt einer heraus: Emanuel Lasker (1868–1941). Nicht nur war er von 1894 bis 1921 – unglaubliche 27 Jahre lang – Weltmeister, länger als jeder andere, auch über das Schachbrett hinaus leistete er mit wesentlichen Beiträgen zur Philosophie und Mathematik Außergewöhnliches. Dennoch war Lasker, der mit dem befreundeten Einstein gelegentlich abends “ums Karrée” spazieren ging, nie auf seine Berliner “Gelehrtenstube” beschränkt, der “Weltenbürger” lebte auch in den Niederlanden und England und später, wegen all der Anfeindungen gegen Juden, in Russland und den USA. Nicht zuletzt deshalb erscheint die großartige dreibändige Biografie über ihn im Exzelsior-Verlag auf Englisch. Im Vorwort des nun erschienenen 2. Bandes schreibt Ex-Weltmeister Wladimir Kramnik, dass Lasker ähnlich wie Einstein nicht in absoluten Wahrheitsbegriffen und den strikten Kategorien von “richtig” und “falsch” dachte, sei es im Leben oder Schach, sondern stets zu “relativieren” wusste und gerade dadurch so überlegen war. Noch mit 66 Jahren war der laut New York Times wie ein “Schachgott am Brett sitzende Doktor” riesig stark und wurde beim großen Turnier in Moskau 1935 Dritter vor José Raúl Capablanca, den er besiegte. – Auf dem Weg dorthin machte er im Wiener Schachclub Station und komponierte da für die “jungen Schachfreunde” diesen Dreizüger:

Weiß zieht an und setzt im 3. Zug matt. [Nach 1.Kc3! muss der im Eck gefangene schwarze Springer ziehen: 1…Sb3 2.Kxb3 (oder 1…Sc2 2.Kxc2) und nun wegen des Zugzwangs 2…La7 3.Sxc7 matt!]

Autor: Helmut Pfleger in: ZEITmagazin Nr. 40/2020, 23. September 2020

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