Sie kennen Muggensturm noch nicht?! Dort lebte der “Prophet von Muggensturm”, Emil Josef Diemer (1908–1990), ein hochgewachsener Mann mit weissem Bart. Unverdrossen pilgerte er täglich vom heimischen Muggensturm ins Schachcafé im sechs Kilometer entfernten Rastatt – gelegentlich auch mit dem Fahrrad, mit einem Steckschach auf der Gabel. Und zunehmend verfestigte sich sein Credo, dass sein “Blackmar-Diemer-Gambit” 1.d4 d5 2.e4!? schnurstracks zum Matt führe: “Ich begann wie ein Hellseher zu spielen und Matt zu sehen in Stellungen, wo es meine Gegner noch nicht einmal ahnten.” Entsprechend pilgerten Anhänger an seinem Todestag am 10. Oktober jahrelang nachts mit Fackeln an sein Grab und skandierten dort: “d4 – d5 – e4, Josef, wir sind bei dir!”
Hier noch eine originale Muggensturm-Schachkombination.Wie eroberte “Prophet Emil Josef” als Weisser am Zug die schwarze Dame?

In Muggensturm lebt mit seiner georgischen Frau Tea auch der Deutsche Seniorenmeister Ü50 Hartmut Metz, der sogar schon den großen Viktor Kortschnoi besiegte. Apropos Georgien: Vor der jetzigen Dominanz der Chinesinnen war Georgien viele Jahre bei den Frauen im Weltschach führend – 1982 gewann bei der Schacholympiade in Luzern eine “Strassenmannschaft” aus Tbilissi (alle Spielerinnen wohnten in derselben Strasse) als Vertretung der großen Sowjetunion den Titel.
Nun ist Metz nicht nur im Schach, sondern beim TTC Muggensturm auch im Tischtennis hervorragend – vor fünf Jahren gewann er mit seinem badischen Partner Jonas Rosner ein Schach-Tischtennis-Turnier in Hofheim. Ganz im Sinne von Timo Boll: “Tischtennis ist Schach mit Bewegung.” So ist es nicht verwunderlich, dass auch der ehemalige Vizeweltmeister im Schach, der Ungar Péter Lékó, für den TTC Muggensturm schon öfter an die Platte ging. Und nun war sogar der chinesische Weltmeister Ding Liren, der ebenfalls gerne und gut Tischtennis spielt, am freien Tag des Grenke Chess Classic im nahen Karlsruhe da. In Muggensturm träumt man bereits von einer Schach-Tischtennis-WM.
Bob Chessman Bericht aus der “Zeit” 27 /2024
One Response
Nette Geschichte, insb. wenn man wie ich und viele andere gestandene Riehener Schachkämpen in den 70er- und 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts E. J. D. noch persönlich am Schachbrett erleben durfte, u. a. am traditionellen Neujahrsturnier in Umkirch, das ja heute noch jeweils mit Beteiligung der SGR stattfindet!
PS: So eine Stellung wünsche ich mir schon seit weit über 50 Jahren Schachkarriere nur ein einziges Mal auf dem Brett!! (Für alle Insider: Die Chancen dazu sind steigend, da ich seit meiner Uebersiedlung nach Tschechien – gezwungenermassen, da fixe Brettaufstellung – ca. 50% der Mannschaftswettkämpfe mit Weiss spiele und nicht mehr 100% mit Schwarz!)