Napoleon spielt Schach

Es hat sich herumgesprochen, dass Napoleon I. ein begeisterter, wenn auch nicht sehr begabter Schachspieler war. Einige Partien von ihnen sind auch erhalten. Wir stellen hier zwei Beispiel vor.

Die erste Partie

Napoleon Bonaparte – Madame de Remusat (Château de La Malmaison | 20 März 1804 | ECO: A00 | 1-0)

1. Sc3 e5  2. Sf3 d6 3. e4 f5 4. h3 fxe4  5. Sxe4 Sc6 6. Sfg5 d5 7. Dh5+ g6 8. Df3 Sh6? 9. Sf6+ Ke7 10. Sxd5+ Kd6 11. Se4+ Kxd512 Lc4+ Kxc4 13. Db3+ Kd4 14. Dd3 matt

Die Gegnerin war eine Hofdame der Kaiserin Joséphine, Madame de Remusat. Die Partie soll am 20. März 1804 in Schloss Malmaison gespielt worden sein, und zwar in der Nacht vor der Erschießung des Herzogs von Enghien, für den sich die Madame Remusat vergeblich eingesetzt hatte. Madame de Remusat bezeugt diese Partie in ihren Memoiren: “m’appela vers une table pour faire une partie d’échecs. Il ne jouait guère bien, ne voulant pas se soumettre à la marche des pièces. Je le laissais faire ce qui lui plaisait, tout le monde gardait le silence, alors il se mit à chanter entre ses dents“.

Die zweite Partie

Napoleon I. (Weiss) spielte gegen den berühmten Schachautomaten – den sogenannten „Türken“. Dieser war vom Österreicher Wolfgang von Kempelen gebaut worden. Im Inneren der Maschine sass ein kleingewachsener Mensch, der die Züge mit Hilfe von Magneten ausführte. Als Napoleon gegen den Türken spielte, war möglicherweise der deutsche Meister Johann Allgaier (1763-1823) in der Maschine. Napoleon soll dreimal gegen den Automaten gespielt haben, er verlor alle drei Partien. Unten die überlieferte Partie:

Napoleon I – Automat [Resultat “0-1”] [ECO “C20”] Schloss Schönbrunn in Wien, 1809

1.e4 e5 (Johann Baptist Allgaier führte die schwarzen Steine im Schachautomaten.) 2.Df3? (Ein Anfängerfehler. Als wenig geschickter Kriegsherr auf dem Brett versucht Napoleon primitiv das Schäfermatt, was jedoch die eigene Dame den feindlichen Attacken aussetzt.) 2…Sc6 3.Lc4 Sf6 (Pariert die Mattdrohung auf f7 und entwickelt eine weitere Figur.) 4.Se2 Lc5 5.a3? (Weitere Zeitverschwendung. Napoleon sollte mit 5.d3 seinem zweiten Läufer mehr Raum geben. 5…Sb4 ist nicht zu fürchten, weil 6.Lb3 den Angriff auf c2 pariert.) 5… d6 6.0–0 Lg4 (Mit Tempo bringt der „Schachautomat“ seine letzte Leichtfigur ins Spiel und besitzt bereits Entwicklungsvorsprung.) 7.Dd3 Sh5 8.h3 Lxe2 9.Dxe2 Sf4 10.De1? (10.Dg4 hält Napoleon im Spiel.) 10…Sd4? (Der Zug reicht zum Sieg, aber Dg5! sorgt für ein baldiges Matt: 11.g4 (11.g3 Dxg3+ 12.Kh1 Weiß darf wegen der Fesselung des f-Bauern durch den Läufer auf c5 nicht nehmen. Dg2 matt) Sxh3+ 12.Kh2 Dh4 13.f3 Sf2+ 14.Kg2 Dh3+ 15.Kg1 Dh1 matt.) 11.Lb3 (11.Dd1 Dg5 12.Dg4 Dxg4 13.hxg4 b5 14.Ld5 c6 15.b4 cxd5 16.bxc5 Sxc2 17.Ta2 Sd4 18.cxd6 Sde2+ 19.Kh2 Sd3 20.Lb2 d4 21.a4 b4 und Weiß bringt nur unter schweren Opfern Figuren ins Spiel. 14.Lb3 erlaubt einen gewaltigen Angriff: 14…Sde2+ 15.Kh2 g5! 16.d4 h5 17.Lxf4 hxg4 matt. Bei 16.g3 (statt 16.d4) folgt erneut h5! 17.gxf4 hxg4+ 18.Kg2 gxf4 19.Te1 – 19.Tg1 f3+ 20.Kf1 g3 21.d4 g2+ 22.Ke1 (22.Txg2 Th1+ 23.Tg1 Txg1 matt) mit überwältigendem Vorteil.) 12…Sxh3+ (Dg5 setzt erneut matt – doch der im Schachautomaten versteckte Allgaier wählt einen effektvollen Schluss fürs Publikum.) 12.Kh2 (12.gxh3 Sf3+ 13.Kg2 Sxe1+.) 12…Dh4 13.g3 Sf3+ 14.Kg2 Sxe1+ (14…Sf4+ 15.Kxf3 Dh5+ 16.g4 Dh3 matt.) 15.Txe1 Dg4 16.d3 Lxf2 17.Th1 Dxg3+ 18.Kf1 Ld4 19.Ke2 Dg2+ 20.Kd1 Dxh1+ 21.Kd2 Dg2+ 22.Ke1 Sg1 23.Sc3 Lxc3+ 24.bxc3 De2 matt.

Kommentare von Hartmut Metz, Rochade Kuppenheim

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