Riehen prämiert das beste Schweizer Schachteam
Den Sportpreis Riehen für das Jahr 2023 erhielt am Montag die Schachgesellschaft Riehen, die im letzten Jahr erstmals Schweizer Mannschaftsmeisterin wurde.
Boris Burkhardt
Als wichtigste Elemente einer konstant erfolgreichen Schachmannschaft nannte Mannschaftsleiter Peter Erismann im Podiumsgespräch eine grosse Kontinuität und einen guten Zusammenhalt im Kader. Deshalb dürfe dieses nicht zu gross sein: «Mannschaften, die 20 Spieler einsetzen, haben keine Chance.» Die Schachgesellschaft Riehen hatte elf Spieler in der Ersten Mannschaft eingesetzt, mit der sie im vergangenen Jahr Schweizermeisterin
wurde.

Seit 2003 spielt die SG Riehen ununterbrochen in der Nationalliga A, holte schon fünfmal Silber und sechsmal Bronze. Mit dem ersten Titelgewinn war es nach Ansicht der Jury an der Zeit, den Riehener Schachspielern für ihre Leistungen den diesjährigen Sportpreis der Gemeinde Riehen zu verleihen.
Schach als Mannschaftssport
Die Preisverleihung fand am vergangenen Montag im Lüschersaal im Haus der Vereine statt, dort, wo die SG Riehen gewöhnlich ihre Heimturniere austrägt. Laudator Rolf Spriessler liess in seiner Rede seine Begeisterung für den Schachsport spüren: Schon als Schüler habe er Schach als «Mannschaftssport» gespielt, mit jeweils drei, vier Schulkameraden auf jeder Seite des Schachbretts, die sich miteinander über den nächsten Zug beraten hätten. Kompetent erklärte er dem Publikum, wie der Spielbetrieb des Mannschaftsschachs in der Schweiz in den Nationalligen A und B sowie vier regionalen Ligen aufgebaut ist, wie Mannschaftspunkte für Sieg, Remis oder Niederlage vergeben und wie die einzelnen Spieler mit einem sehr zuverlässigen Punktesystem gemäss ihren Spielresultaten bewertet werden.
Den Preis überreichte Gemeinderat Stefan Suter. Auch er hatte persönliche Erinnerungen an das Schachspiel, als er in seiner Jugend einen Weltmeister schlug, nämlich, als er mit seinem Cousin die Weltmeisterschaftspartie 1972 zwischen Boris Spasskij und Bobby Fischer nachspielte. Robert Luginbühl, seit diesem Jahr Vereinspräsident, dankte der Jury vor allem für ihren «Mut, schon zum zweiten Mal eine ‹Randsportart›, die das Schachspiel für viele noch immer ist, auszuzeichnen».
Der Sportpreis der Gemeinde Riehen wird seit 1996 vergeben und ist derzeit mit 10‘000 Franken dotiert. Die SG wurde bereits 2011 mit dem Sportpreis ausgezeichnet. Die Jury besteht neben dem Journalisten Spriessler aus Verena Aeberli (TC Riehen), Andreas Cenci (Sportgeschäft), Dominik Faber (Bogenschützen Juventas Basel–Riehen), Katrin Leumann (Velo-Club Riehen), Simone Keller (KTV Riehen) und Nicola Müller (TV Riehen).
Mannschaftsleiter Erismann stellte die internationalen Mitglieder der Ersten Mannschaft mit Steckbriefen an der Leinwand kurz vor. Weite Anreisen nehmen für die Turniere der Franzose Olivier Renet (Jahrgang 1964) aus Paris mit dem TGV und der Kroate Ognjen Cvitan (1961) aus Rijeka mit dem Bus in Kauf. Im Schach ist es Spielern gestattet, in mehreren Mannschaften gleichzeitig zu spielen: So wurde Markus Ragger (1988), der zusätzlich im Heimatverein Graz spielt, vor sechs Jahren vom tschechischen Nový Bor abgeworben.
Erismann zollte jenen Spielern besonderen Respekt, die ihren Einsatz für die SG auf hohem internationalem Niveau neben Beruf und Familie stemmten, etwa Andreas Heimann (1992) aus Grenzach-Wyhlen, den Erismann als «grösstes Talent der Region in den letzten 40 Jahren» bezeichnete. Der in Basel lebende Franzose Adrien Demuth (1992), der Zürcher Grieche Ioannis Georgiadis (1987), der Elsässer Nicolas Brunner (1984), der Konstanzer Dennis Breder (1980), der Muttenzer Dorian Jäggi (1980) und der Basler Matthias Rüfenacht (1956) ergänzen das Team. Der Schweizer Juniorenmeister 2023 Arvin Kasipour (2006) aus Bremgarten wird langsam an die Erste Mannschaft herangeführt.
Körperlich anstrengend
Gregor Haag (Jahrgang 1993), der ebenfalls an der Podiumsdiskussion teilnahm, hat mit Wohnsitz in Inzlingen nicht nur die kürzeste Anfahrt der Spieler, sondern bestreitet als professioneller Schachlehrer auch seinen Lebensunterhalt mit diesem Sport. Ob Schach Sport sei, ist noch immer Gesprächsthema: Sowohl Spriessler als auch Suter warfen in ihren Reden diese Frage rhetorisch auf. Haag beschrieb aus eigener Erfahrung die grosse körperliche Belastung der lang andauernden Konzentration auf hohem Niveau: «Nach einer langen Schachpartie von fünf bis sieben Stunden bin ich nicht mehr in der Lage, im Restaurant eine Speisekarte zu lesen.»
Definitiv nicht olympisch, aber dennoch nur mit grossem physischem Einsatz möglich war das meisterhafte Klavierspiel von Ace Ye und Jonas Theuer, zwölf und 13 Jahre alt, die mit Stücken von Mozart, Chopin und Stravinskij die musikalische Begleitung des Abends übernahmen. Besonders das vierhändige Spiel zum Teil über Kreuz erforderte mindestens so viel Konzentration wie eine Schachpartie.
